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17. Mai 2009 [Sachsen]


Kirchenfusionen: Sachsen bleibt lieber allein

© Andreas F. _ Fotolia.com

Mitgliederzahlen und Einnahmen sinken. Acht Landeskirchen steuern deshalb auf eine Ver­einigung zu. In Sachsen sagt man: Ohne uns.

Einige evangelische Kirchen in Deutschland sind im Heiratsfieber. In Mitteldeutschland gibt es seit diesem Jahr eine vereinigte Kirche, und auch in Norddeutschland arbeiten gleich acht Landeskirchen an einem Zusammengehen. In Sachsen zeigt man sich davon unbeeindruckt.

»Ich sehe überhaupt keinen Grund für eine Fusion«, sagt Landesbischof Jochen Bohl. »Die lutherische und pietistische Prägung sowie die Beheimatung in Sachsen ist in unserer Kirche sehr wichtig. Das gibt man nicht ohne Not auf.« (mehr…)


15. Mai 2009 [SONNTAG-Kommentar]


Demokratisches Selbstbewusstsein

(c) Marja Flick-Buijs _ sxc.hu

Demokratische Prinzipien scheinen in der Bevölkerung hoch angesehen. Rechtsstaatlichkeit, Chancengleichheit, Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und Eigentumsfreiheit, so hat Infratest dimap im Auftrag der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in einer Umfrage ermittelt, gelten unvermindert als hohe Werte.

Demokraten dürfen aus Momentaufnahmen wie diesen Selbstbewusstsein schöpfen. Damit kann man, gerade vor den anstehenden Wahlen, Demokratiefeinden aufrecht entgegentreten. Menschen mit Rückgrat machen da einfach eine bessere Figur als Zeitgenossen, denen die Furcht vorm Untergang der Demokratie im Nacken lastet. Und für Kampagnen wie die der sächsischen Landeskirche »Näch­stenliebe verlangt Klarheit« lässt sich lernen: Deutlich gegen Rechtsextremisten aufzutreten, wo immer sie sich in der Öffentlichkeit zeigen, ist das eine. Aber demokratisches Denken zu fördern im Alltag, ist ebenso wichtig. Da haben auch Stolz und Patriotismus ihre Berechtigung, Begriffe, bei denen manche zusammenzucken, zumal Rechts­extremisten einen Alleinvertretungsanspruch darauf erheben. (mehr…)


14. Mai 2009 [Sachsen]


Nehmt hin und hört

Foto: SXC.hu

Die Bibel ist voll von Geschichten und Bildern. Doch in den Kirchen hört man nicht selten spröde Theologie. Steckt die Predigt in der Krise?

Die Sätze des Predigers Jesus von Nazareth waren klar und durchsichtig: »In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.« Am kommenden Rogate-Sonntag wird dieser Vers in Sachsens Kirchen wieder gelesen werden. Und man wird über ihn predigen. Im Internet ist zu finden, was Theologen dazu einfällt: Vom »Geschehen zwischen Mensch und Gott« wird man lesen, von einem »größeren Zusammenhang, der unsere persönlichen Probleme ernst nimmt und uns eine besondere Würde verleiht«.

In der Welt habt ihr Angst. Haben auch Prediger manchmal Angst? »Ängstlichkeit fällt mir oft bei Predigten auf. Und mangelndes Vertrauen in das Wort und in die Sprache«, sagt Christian Lehnert, Pfarrer und viel beachteter Dichter. »Dann entsteht eine Einheitssprache, die nur noch in kirchlichen Milieus verstanden wird.« Die farbige Sprache und die lebenspralle Erzähllust der Bibel wird so verbannt. Steckt die Predigt in der Krise? (mehr…)


4. Mai 2009 [Sachsen]


Jungs sind anders

Oft werden sie abgestempelt als laut und aggressiv. Doch immer mehr Pädagogen glauben, dass Jungen ganz eigene pädagogische Angebote brauchen.

Foto: Steffen Giersch

Zwei Drittel der Schulabbrecher und 96 Prozent der Gefängnisinsassen sind männlich. Jugendarbeitslosigkeit ist bei Jungen weiter verbreitet als bei Mädchen. Spezielle Angebote für sie werden dringend gebraucht, so das Fazit des Chemnitzer Netzwerkes für Jungenarbeit. Doch diese stecken in den Kinderschuhen – ganz entgegen der fest etablierten Angebote der Mädchenarbeit, wie dem bundesweiten »Girls’ day«, der am 23. April zum neunten Mal Mädchen motivierte, technische und naturwissenschaftliche Berufe zu ergreifen.

In Chemnitz hatten die Mitarbeiter verschiedener Einrichtungen beobachtet, wie sich Jungen im Heranwachsen auf die Suche nach einer eigenen, einer männlichen Identität machten. Oft verläuft diese Suche nicht ohne Konflikte und blaue Flecken. Jungs werden deshalb oft als laut, aggressiv und nervig beschrieben.

Um daran etwas zu ändern, gründete sich das Netzwerk für Jungenarbeit vor zwei Jahren. In der »Geburtsphase« versuchte der Arbeitskreis, den Begriff »Jungenarbeit« zu definieren. »Nur weil ich ausschließlich mit Jungs Fußball spiele, ist das noch lange keine Jungenarbeit«, so Andreas Reupert, Sozialpädagoge und Jungenarbeiter im Computerclub des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) Chemnitz. Jungs, die in sächsischen Kindergärten und Grundschulen zu 97 Prozent von Frauen betreut werden, müssten verschiedene Männerbilder kennen lernen. (mehr…)


1. Mai 2009 [Sachsen]


Einfluss nehmen

Otto GuseIm Wahljahr und zum Kirchenvorstandstag stellt sich die Frage nach Christen in der Politik. Christine Reuther fragte Synodenpräsident Otto Guse.

Herr Guse, was haben Kirchvorsteher mit Politik zu tun?
Guse:
Sie gehören wie Sie und ich einem Gemeinwesen an und von daher betreffen sie die aktuellen politischen Entwicklungen auch. Ihr Amt verschafft ihnen jedoch viele Berührungspunkte, die sich aus der Einbettung der Kirchgemeinde in die Ortsgemeinde ergeben. Immer dann, wenn eine Kirchgemeinde ihre Türen öffnet, wirkt sie in ihre Umgebung hinein – wenn wir uns mit diakonischen Angeboten den Menschen zuwenden, wenn wir uns für die Trägerschaft eines Kindergartens oder einer Schule entscheiden. Wenn wir für uns und andere Verantwortung übernehmen, handeln wir als Kirche auch politisch.

Die Kirche, heißt es ja oft, soll sich politisch nicht vereinnahmen lassen. Sollen Christen sich da lieber aus der Politik heraushalten?
Guse:
Gestatten Sie mir eine Gegenfrage. Wer ist denn Kirche? Wir sind Kirche Jesu ­Christi, Glieder eines Leibes. Das heißt aber auch, Kirche ist mehr als ihre Mitglieder. Von daher kann sich Kirche gar nicht vereinnahmen lassen. Ihre Mitglieder aber schon. Diese Gefahr sehe ich zwar auch, dennoch ist sie mir Anlass, für ein Engagement von Christinnen und Christen in der Politik zu wer­ben. Denn nur wer sich beteiligt, kann auch Einfluss nehmen.

Wo haben Sie als Präsident der Synode Berührungspunkte mit der Politik?
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29. April 2009 [Sachsen]


Mit Herz und Tat

Christian Schönfeld (r.),Direktor des Diakonischen Werkes Sachsen,  beantwortet für den MDR Fragen des Rundfunkpfarrers Andreas Beuchel (Foto: Steffen Giersch)

Wie können Kirchgemeinden Menschen in Not helfen? Das fragte sich die Landessynode – und stieß auf Mut machende Beispiele.

Der Bettler an der Tür verlässt an diesem Sonnabend mit einem klimpernd gefüllten Hut und vollen Tüten das Portal der Dresdner Dreikönigskirche. Doch drinnen in der Kirche bleibt die Frage für die Mitglieder der sächsischen Landessynode: Wie können Christen den Armen und Notleidenden helfen?

»Jede Kirchgemeinde ist diakonisch beauftragt vom Herrn der Kirche – von Jesus Christus«, sagt Landesbischof Jochen Bohl vor den Synodalen, die einen Tag ihrer Frühjahrstagung diesem Thema verschrieben haben. »Wir kommen aus einer Phase, in der die professionelle Diakonie sehr expandiert ist. Dabei hatte ich manchmal den Eindruck, dass Kirchgemeinden in der Gefahr stehen zu vergessen, dass sich keine christliche Gemeinde von der Verpflichtung zur Diakonie entlasten kann.« Nun aber beobachtet der Landesbischof in immer mehr Gemeinden soziales Engagement. (mehr…)


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